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03.04.2020

Auswirkungen bereits spürbar, Verschärfung in kommenden Wochen zu erwarten.

Ergebnisse der ZVEH-Umfrage zur Corona-Krise

Bild: Pixabay – craigclark

Bei der im Februar 2020 vom ZVEH durchgeführten Frühjahrskonjunkturbefragung herrschte noch großer Optimismus. Mittlerweile wirkt sich die Corona-Krise jedoch auch auf die Elektrohandwerke aus. Eine neue Befragung des ZVEH zeigt nun, inwieweit die Betriebe bereits von der Krise betroffen sind. Gefragt wurde auch danach, wie die E-Handwerke ihre wirtschaftliche Situation einschätzen und, ob sie staatliche Unterstützungsmaßnahmen in Anspruch nehmen. Ein Ergebnis: Die elektrohandwerklichen Innungsbetriebe trifft die Krise momentan etwas weniger als andere Gewerke und sie versuchen, die Auswirkungen abzufedern. Hält die Krise an, werden aber auch sie zunehmend betroffen sein.

Rund 2.000 E-Innungsfachbetriebe haben sich in nur drei Tagen an einer Sonderumfrage beteiligt, die der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) am vergangenen Montag (30.3.) gestartet hatte, um ein Bild davon zu erhalten, wie stark die Elektrohandwerke von der Krise betroffen sind und wo sie diesbezüglich die größten Herausforderungen sehen. Dabei zeigt die Umfrage: Rund 60 Prozent (58,6 %) der Betriebe verzeichnen infolge der Corona-Pandemie Umsatzrückgänge. Bei 41,4 Prozent hat die Krise diesbezüglich keine oder noch keine Auswirkungen. Das liegt zum einen daran, dass elektrohandwerkliche Betriebe nicht so stark von Schließungen betroffen sind wie andere Gewerke. Zum anderen verfügten, das hatte die Frühjahrsumfrage gezeigt, mehr als die Hälfte der Unternehmen über ein Auftragspolster von bis zu zwei und mehr Monaten.

Durchschnittliche Verluste in Höhe von 44 Prozent
Dort, wo sich die aktuelle Situation bereits auf die Geschäftslage der Unternehmen auswirkt, beläuft sich der durchschnittliche Verlust auf 44 Prozent. Relativ gering ist die Betroffenheit in Bezug auf Erkrankungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. So gaben nur 15,1 Prozent der Befragten an, dass sich Personal aufgrund einer Covid-19-Infektion in Quarantäne begeben musste.

Wie reagieren die Betriebe?
Auf die aktuelle Situation haben bislang 24,7 Prozent der befragten Unternehmen mit Arbeitszeitverkürzungen oder Ähnlichem reagiert. 75,3 Prozent haben demnach noch keine Mittel zur Arbeitszeitverkürzung angewendet. Verglichen mit der kürzlich durchgeführten Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) ist das ein relativ geringer Prozentsatz. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Elektrohandwerke im Gegensatz zu anderen Dienstleistungen – wie Gastronomie oder Friseurhandwerk – deutlich weniger von behördlichen Auflagen betroffen sind und Aufträge, wenn auch in geringerem Ausmaß, weiter ausführen können.

Abbau von Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit
Bei denjenigen Betrieben, die bislang auf die veränderte Geschäftssituation reagierten, wählten 66,2 Prozent als Maßnahme den Abbau von Arbeitszeitkonten. 64,5 Prozent ordneten Urlaub für die Belegschaft oder Teile davon an und 52,9 Prozent beantragten Kurzarbeit. Nur 10,3 Prozent dieser Unternehmen mussten Mitarbeitern kündigen und 6,4 Prozent schlossen ihren Betrieb komplett.

Zurückhaltung zeigten die befragten elektrohandwerklichen Betriebe jedoch nicht nur hinsichtlich Arbeitszeitkürzungen. Auch staatliche Hilfen wurden bislang erst von 21,7 Prozent in Anspruch genommen. Bei den staatlichen Hilfen favorisierten die Betriebe staatliche Zuschüsse (57,5 %), gefolgt von Steuerstundungen (41,5 %) und Kurzarbeitergeld (39,8 %). Liquiditätshilfen nahmen lediglich 11,2 Prozent in Anspruch.

Staatliche Hilfen werden positiv gesehen
Befragt nach ihrer Meinung zu Höhe und Komplexität der Hilfen sowie Bearbeitungsdauer für die Beantragung äußerten sich die Umfrageteilnehmer recht differenziert. Positiv wurde gesehen, dass die Antragstellung bei den staatlichen Zuschüssen unkompliziert ist. Allerdings werden diese als zu niedrig bewertet. Kritisiert wird auch die Dauer der Antragsbearbeitung bei den Liquiditätshilfen.

Lieferengpässe am ehesten im Bereich „Licht“
Um herauszufinden, ob es bereits Probleme gibt, an bestimmte Produkte heranzukommen, hatte der ZVEH in seiner Umfrage auch nach Lieferengpässen gefragt. Dabei zeigte sich: 30,7 Prozent der Befragten haben Probleme, Produkte aus der Elektroindustrie zu beziehen. Am stärksten betroffen sind Produkte aus dem Bereich „Licht und Beleuchtung“ (51,3 %), gefolgt von Gebäudeautomation (25,0 %) sowie Erneuerbare Energien und Elektrogeräte (beide 19,3 %). Zahlreiche Betriebe gaben an, dass Produkte aus China und Italien aufgrund der Corona-Krise nicht geliefert werden konnten. Preislich registrierten die Betriebe indes kaum Veränderungen. Über alle Produktbereiche hinweg blieben die Preise nahezu unverändert. Veränderungen gab es am ehesten bei Produkten aus den Bereichen „Licht und Beleuchtung“ und „Erneuerbare Energien“.

Blick auf die nächsten Monate
Auch wenn sich die eingangs angeführten Zahlen angesichts einer sich weiter verschärfenden Krise noch halbwegs passabel ausnehmen: Dass sich die Situation auch in den Elektrohandwerken erheblich verändert hat, zeigt sich am Einbruch des Geschäftsklimaindex. Hatte dieser bei der nur vier Wochen zuvor durchgeführten Frühjahrskonjunkturumfrage noch bei erfreulichen 88,2 Punkten gelegen, so sank er nun auf 55,6 Punkte ab. Während in der Vor-Corona-Befragung noch 78,8 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als „gut“ bezeichnet hatten, waren es nun lediglich 30,1 Prozent.

Was den Blick in die Zukunft betrifft, zeigen sich die Innungsbetriebe nun ebenfalls deutlich pessimistischer – dies auch bedingt durch die Tatsache, dass die weitere Entwicklung der Krise – wie auch die Dauer der Einschränkungen – momentan kaum absehbar ist. Davon, dass sich die Geschäftssituation „verschlechtert“ oder „deutlich verschlechtert“, gehen jetzt 54,8 Prozent aus (Frühjahrumfrage: 7,8 %). Davon, dass diese gleichbleibt, 23,7 Prozent (Frühjahrsumfrage: 64,1 %). Eine Verbesserung erwarten lediglich 3,2 Prozent – gegenüber 28,1 Prozent in der Frühjahrsumfrage.

Preise und Neueinstellungen
Ein Faktor, der die Beurteilung beeinflusst haben dürfte, ist, dass die Auftragspolster abschmelzen und dass aktuell keine Aussagen dazu getroffen werden können, wann der Shutdown beendet ist und wieder mit einem Hochfahren der Wirtschaft begonnen werden kann. Hatten im Februar 2020 noch 65,7 Prozent der Betriebe angegeben, offene Stellen zu haben, sind es jetzt nur noch 31,7 Prozent. Das bedeutet: Neueinstellungen werden erst einmal zurückgestellt. Mit einer Erhöhung ihrer Verrechnungspreise auf die Krise zu reagieren, planen indes nur 17,5 Prozent der Umfrageteilnehmer. Der Löwenanteil (76,4 %) will seine Preise nicht erhöhen.

Eine Veränderung zeigt sich dagegen hinsichtlich des Umgangs mit staatlichen Unterstützungsleistungen. In den nächsten Wochen werden, so ein Ergebnis der Umfrage, deutlich mehr Betriebe staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. So wollen 53,9 Prozent der Unternehmen solche Instrumente nutzen und setzen dabei vor allem auf Kurzarbeitergeld und staatliche Zuschüsse.

„Die Ergebnisse unserer Befragung zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Elektrohandwerke zeigen, dass unsere Mitglieder bislang noch etwas weniger stark betroffen sind als andere Gewerke. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass die Geschäftssituation vor Ausbruch der Pandemie überwiegend gut war und dass viele Betriebe über Auftragspolster verfügten. Klar ist aber auch: Die Wirtschaftslage trübt sich auch in den Elektrohandwerken mit hoher Geschwindigkeit ein. Die Zahl derer, die staatliche Unterstützung beantragen werden, steigt. Und je länger diese Situation andauert, desto größer werden die Umsatzeinbrüche sein“, so ZVEH-Hauptgeschäftsführer Ingolf Jakobi: „Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, ist es nun ganz wichtig, rechtzeitig über Exit-Strategien zu sprechen und Pläne zu entwickeln, wie sich die Wirtschaft nach Beendigung des Shutdowns ohne größere Verzögerungen wieder ankurbeln lässt.“

Aufgrund der dynamischen Entwicklung der Situation wird der ZVEH seine Befragung im weiteren Verlauf der Corona-Krise wiederholen. Die Ergebnisse will der Verband für die politische Kommunikation sowie dafür nutzen, seine Mitglieder noch besser bei der Krisenbewältigung zu unterstützen.

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